Kubus. Sparda-Kunstpreis 20152019-03-19T12:04:02+00:00

Kubus. Sparda-Kunstpreis 2015


Nevin Aladag – Peter Vogel – Discoteca Flaming Star

2015 ging der »Kubus. Sparda-Kunstpreis« in die zweite Runde. Nominiert waren Nevin Aladag, Peter Vogel und das Künstlerduo Discoteca Flaming Star. Die drei künstlerischen Positionen markierten unterschiedliche Zugänge zum Thema »Kunst & Musik«, unter dem das Kunstmuseum Stuttgart sein 10-jähriges Jubiläum feierte. Mit der Verleihung des Preises an Peter Vogel, der in Japan und Amerika bereits große Anerkennung genießt, konnte der Künstler hierzulande einem breiten Publikum bekannt gemacht werden. Vogel gewann auch den Publikumspreis, der erstmalig zusätzlich zum Preis der Jury von der Sparda-Bank ausgelobt wurde.


Nevin Aladag

In den Videoarbeiten, die im Kunstmuseum Stuttgart zu sehen waren, thematisiert Nevin Aladag (*1972 in Van, Türkei) musikalische Ausdrucksformen unterschiedlicher Kulturen anhand von Musikinstrumenten und entwickelt daraus eine spezifische kulturelle Kartografie. Für die Ausstellung hat sie eigens ein Video in Stuttgart produziert. In »Traces« (2015) werden Musikinstrumente – wie z. B. ein in Baden-Württemberg gefertigtes Akkordeon – nicht von Menschen gespielt, vielmehr scheint diese Aufgabe von der Umgebung übernommen zu werden.

Die Videoarbeit ist als Triptychon aufgebaut, wobei die drei Teile musikalisch und visuell aufeinander bezogen sind. Konzeptionell und kompositorisch knüpft »Traces« an das Video »Session« (2013) an, das in den Stadtgebieten und der Wüste des Emirats Sharjah entstanden ist. In diesem werden afrikanische und indische Schlaginstrumente vom Sand, Meer und dem Wind bespielt. Beide Videos verstehen sich als Stadtporträt, welche die spezifischen kulturellen und soziologischen Aspekte eines Lebensraums herausstellen.

Nevin Aladag, Traces, 2015, © Nevin Aladag / VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Nevin Aladag, Traces, 2015, © Nevin Aladag / VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Nevin Aladag, Session, 2013, © Nevin Aladag / VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Nevin Aladag, Session, 2013, © Nevin Aladag / VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Peter Vogel

Peter Vogel (Freiburg 1937–2017 Freiburg) gilt als Pionier auf dem Gebiet der elektronischen Musik. Seine aus Metallstäben und kleinsten elektronischen Bauteilen zusammengesetzten filigranen Skulpturen, die teilweise auch mit klassischen Musikinstrumenten kombiniert sind, reagieren auf die Bewegungen und Schatten ihrer Betrachter_innen. Die Bewegung vor den Klangobjekten wird mittels integrierter Fotozellen in Töne und Tonfolgen übersetzt. Er selbst hat die Plastiken als »materialisierte Partituren« bezeichnet. Die Betrachter_innen können direkt und unmittelbar Einfluss nehmen auf Tempo, Tonhöhe und Klangfarbe – erst in dieser Wechselbeziehung erwachen die Werke zu Leben und erschließen die Bandbreite ihrer Möglichkeiten. Zu seinen bekanntesten Werken zählt das zwischen 1998 und 1999 entstandene »Schattenorchester III«. Neben seinen akustischen Arbeiten zeigte die Ausstellung auch Leuchtobjekte, bei denen akustische Impulse in Lichtsignale transformiert werden. Die Stuttgarter Ausstellung von Peter Vogel hatte retrospektiven Charakter; sie umfasste Werke von 1974 bis 2014.

Peter Vogel, Schattenorchester III, 1999, © Peter Vogel
Peter Vogel, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Stuttgart, 2015
Peter Vogel, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Stuttgart, 2015
Peter Vogel, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Stuttgart, 2015

Discoteca Flaming Star

Discoteca Flaming Star

Die Basis von Discoteca Flaming Star bilden Cristina Gomez Barrio (*1973 in Alhambra, Spanien) und Wolfgang Mayer (*1967 in Wertach). Sie arbeiten stets in kooperativen Strukturen und interdisziplinären Zusammenhängen. Ihre Auftritte und Installationen, bei denen musikalische Elemente eine zentrale Rolle spielen, verstehen sie als politisch-soziale Ereignisse. DFS beschäftigen sich auf akustischen und visuellen Ebenen mit verschiedenen Formen des kulturellen und politischen Gedächtnisses. In ihren Installationen lagern Schichten palimpsestartig übereinander und erzeugen assoziative, vielschichtige Gewebe. Ausgangspunkt ihrer Präsentation ist die 2012 begonnene installativ-performative Arbeit »Sticky Stage«, die im Kunstmuseum Stuttgart erweitert wurde. Sie verschränkt zwei Spielfilme – Pier Paolo Pasolinis »Uccellacci e uccellini« (1966) und »The Rehearsal« (1974) von Jules Dassin – mit eigenen Kommentaren in Form von Videos, Dokumentationen früherer Performances und Bannern. Letztere sind ein wichtiger Bestandteil der Installationen von DFS; Banner, mit Textzitaten versehen und von unterschiedlicher Lichtdurchlässigkeit, versinnbildlichen das Thema des Schichtens und Verbergens. Komplettiert wurde die Ausstellung durch drei »Arena Seatings« (1999) von Rita McBride.

Discoteca Flaming Star, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Stuttgart, 2015, © Discoteca Flaming Star
Discoteca Flaming Star, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Stuttgart, 2015, © Discoteca Flaming Star
Discoteca Flaming Star, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Stuttgart, 2015