Zeitgenössische Bildhauerei2022-09-01T11:23:37+00:00

Zeitgenössische Bildhauerei


Der »Kubus. Sparda-Kunstpreis« steht seit 2015 unter einem übergeordneten Thema. In diesem Jahr sind drei Künstler:innen nominiert, die sich ganz unterschiedlich bildhauerischen Konzepten zuwenden. Die Bildhauerei wurde lange Zeit von figurativen Skulpturen und Plastiken dominiert, die an historische, religiöse, literarische und gesellschaftliche Themen anknüpfen. Während die Skulptur ihre Gestalt durch das Abtragen des Materials annimmt, entsteht die Form der Plastik durch dessen Aufbau.

Weiterentwicklung zum Raum

Im Laufe des 20. Jahrhunderts gewinnt das Thema ›Raum‹ vor dem Hintergrund abstrakter Tendenzen und der Erweiterung des Materialkanons an Bedeutung. Raum als solcher besitzt keine stoffliche Qualität und ist damit keinem unserer fünf Sinne zugänglich: er ist unsichtbar, er kann weder ertastet noch gehört, gerochen oder geschmeckt werden. Erst durch das dreidimensionale Objekt, das aufgrund seiner Masse, seines Volumens Raum einnimmt und sich zu seiner Umgebung in Bezug setzt, wird er konkret, das heißt vorstell- und wahrnehmbar.

Impulsgeber

Wesentliche Impulse für die weitere Entwicklung der Bildhauerei gehen von den Künstler:innen der Minimal Art in den 1960er-Jahren aus. Ihre ›spezifischen Objekte‹, einfache Elementarformen aus industriellen Materialien und Produktionsweisen, die sich an der menschlichen Größe orientieren, machen Raum erstmals körperlich erfahrbar. Sie konfrontieren den Betrachtenden mit ihrer unmittelbaren Präsenz und machen den Raum in seinen Relationen förmlich spürbar. Erfahrungen aus Tanz, Theater und Performance fließen in die künstlerischen Konzepte ein, die das Verhältnis von Darstellung, Besuchenden und Raum neu definieren.

Gegenwart

Mit den Arbeiten von Ulla von Brandenburg, Camill Leberer und Ülkü Süngün zeigt sich die Vielfalt der gegenwärtigen bildhauerischen Positionen. Neben skulptural-plastische Formulierungen treten Installationen und performative Inszenierungen, die alle im Bühnenhaften einen gemeinsamen Bezugsrahmen haben. Der Raum, der auch kultureller und sozialer Raum ist, spielt dabei eine wesentliche Rolle.