Kubus. Sparda-Kunstpreis 20172019-03-29T12:58:19+00:00

Kubus. Sparda-Kunstpreis 2017


Corinne Wasmuht – Myriam Holme – Leni Hoffmann

2017 widmete sich der »Kubus. Sparda-Kunstpreis« dem Thema »Erweiterte Malerei«. Nominiert wurden Corinne Wasmuht, Myriam Holme und Leni Hoffmann. Bei der Auswahl hat sich gezeigt, wie vielfältig die Ausdrucksformen in der Malerei heute sind: Malerei ereignet sich längst nicht mehr nur auf der Fläche, sondern hat den Umraum erobert. Den Preis der Jury erhielt Myriam Holme, das Publikum stimmte für Corinne Wasmuht ab.


Corinne Wasmuht

Die Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart erlaubte einen umfassenden Blick auf das Schaffen von Corinne Wasmuht (*1964 in Dortmund). Gezeigt wurden Werke aus den Jahren 2002 bis 2017. Die Künstlerin bedient sich einer Maltechnik, bei der die Farben schichtweise auf Holz aufgetragen werden und dem Werk so eine vibrierende Farbigkeit, Transparenz und Leichtigkeit verleihen. Grundlage ihrer kaleidoskopartigen Kompositionen ist ihr nach Themen und Motiven gegliedertes Foto-Archiv.

Daraus bildet Wasmuht am Computer ihre Bildwelten als »digitale Skizzen« für ihre großformatigen Gemälde. Die präzise gemalten Bilder wirken ihrerseits zunächst als seien sie Momentaufnahmen. Durch die Schichtung von Strukturen und Perspektiven entsteht eine eigene, detailreiche Bildrealität, mit der die Künstlerin die Simultaneität verschiedener Zeitebenen zur Deckung bringt.

Corinne Wasmuht, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Stuttgart, 2017
Corinne Wasmuht, Uqbar II, 2012, © Corinne Wasmuht
Corinne Wasmuht, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Stuttgart, 2017

Myriam Holme

Die Arbeit an und mit Materialien ist charakteristisch für die Kunst seit Mitte der 1960er-Jahre. Myriam Holme (*1971 in Mannheim) öffnet durch die Verwendung von einer Vielzahl an Materialien die Grenzen der Malerei und des Tafelbildes inhaltlich und räumlich. Zum einen verbindet sie in ihren Werken unterschiedliche Gattungen, wie die Collage, das Tafelbild und die Skulptur, zu begehbaren Installationen. Zum anderen bewegen sich ihre Arbeiten vielfach von der Wand in den Raum und durchmessen ihn nach allen Seiten.

Holmes Interesse gilt dem Experiment und dem Prozesshaften in der Malerei. Beides wird durch die Kombination unterschiedlichster Materialien, Oberflächen und Texturen, wie Aluminium, Holz, Bambus, Schnüre, Beize, Spiegelfolie, Lack, Seife oder Glas sichtbar. Deren gegensätzliche Eigenschaften, wie matt und glänzend, fest und transparent, eröffnen einen poetischen Dialog über die malerischen Möglichkeiten von Materialien.

Myriam Holme, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Stuttgart, 2017, © Myriam Holme
Myriam Holme, lomnambule, 2017, © Myriam Holme
Myriam Holme, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Stuttgart, 2017, © Myriam Holme
Myriam Holme, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Stuttgart, 2017, © Myriam Holme

Leni Hoffmann

Leni Hoffmann (*1962 in Bad Pyrmont) stört Sehgewohnheiten, sie arbeitet
in-situ und entwickelt Werksetzungen für die gastgebenden Räume und deren Kontext. Vor Ort definiert sie mit unterschiedlichen, alltäglichen Werkstoffen einen begehbaren Bildraum. Dabei maßgeblich ist die Rekontextualisierung der verwendeten Materialien. Ihre ephemeren Interventionen und architektonischen Eingriffe verschränken den musealen Innen- und öffentlichen Außenraum. Der Betrachter emanzipiert sich bei ihr  zu einem Mitautor, der Teil eines imaginären Kollektivs wird.

Neben den im Kunstmuseum Stuttgart entwickelten Werken, führte Leni Hoffmann im Rahmen der Ausstellung, ihr 1997 begonnenes Projekt »pizzicato_42« mit einer Intervention in der „Stuttgarter Zeitung“ fort. Hierbei definierte die Künstlerin den öffentlichen Raum als Bildraum. Sie griff in den Produktionsprozess des Rotationsdrucks der Tageszeitung ein und zeichnete im Zwiegespräch mit der Druckerpresse, über den gesamten Druckvorgang eine farbige Streifenzeichnung die die Gesamtlänge der Tagesauflage hatte. Mit der Konfektionierung der Zeitungsexemplare fragmentierte sich diese Endloszeichnung. Jede zum Unikat gewordene Zeitung fand über den üblichen Zeitungsverkauf ihre Verbreitung.

Leni Hoffmann, under milkwood, 2017, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Leni Hoffmann, under milkwood, 2017, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Leni Hoffmann, pentax_mocatta, 2017, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Leni Hoffmann, blinky, 2017, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Armin Linke gewinnt »Kubus. Sparda-Kunstpreis« 2019

»Ich freue mich zusammen mit Estelle Blaschke sehr über die Auszeichnung«, so Armin Linke, »und widme diese meinen Mitaspiranten Sinje Dillenkofer, Peter Granser und Annette Kelm. Wir sind bereits im Vorfeld der Juryentscheidung übereingekommen, dass wir den Preis teilen werden – als Ausdruck künstlerischer und kollegialer Wertschätzung.«